Episode 3: Wofür wir Ärzt:innen und Pflegende heute wirklich bezahlen

Shownotes

Wofür bezahlen wir Ärzt:innen und Pflegende wirklich? Arbeiten wir im Krankenhaus noch am Patienten – oder kämpfen wir längst überwiegend gegen das eigene organisatorische Chaos? In dieser dritten Episode von „Krankenhausführung neu denken“ wirft Jörg Gottschalk einen radikalen Blick auf die größte, aber unsichtbarste „Berufsgruppe“ im deutschen Gesundheitswesen: die Verschwendung.
Während überall der Ruf nach mehr Personal ertönt, gehen in unseren Kliniken täglich mindestens 30 Prozent der wertvollen Arbeitszeit durch Suchen, Warten, Laufen und vermeidbare Unterbrechungen verloren. Am alltäglichen Beispiel eines Operateurs und den enormen Laufwegen im Pflegedienst wird greifbar, wie die Organisation wirksame Arbeit unbewusst ausbremst.

Key Takeaways – Das nehmen Sie aus dieser Folge mit: Wertschöpfung vs. Verschwendung: Warum Beschäftigung und zeitliche Überlastung im Krankenhaus definitiv kein Erfolgskriterium für eine gute Klinik sind.

  • Aufzählungs-TextStatische vs. dynamische Verschwendung: Wie eine einzige kleine Störung (wie ein fehlendes Medikament auf Station) fatale Kettenreaktionen im gesamten OP-Programm auslöst.
  • Aufzählungs-TextDer Trugschluss beim Personalmangel: Warum mehr Personal das Problem nicht löst, sondern nur weniger Verschwendung echte Zeit für Patientinnen und Patienten schafft.
  • Aufzählungs-Text„Sowas-kommt-von-sowas“: Warum wir aufhören müssen, Verschwendung als normale Arbeit zu akzeptieren.
  • Aufzählungs-Text„Nicht mehr Personal beseitigt Verschwendung. Sondern weniger Verschwendung schafft Zeit für Patienten.“

Konzept & Host: Jörg Gottschalk Produktion & Urheberrecht: Jörg Gottschalk

Ausblick auf die nächste Episode In Episode 4 beschäftigen wir uns mit dem Gegenteil von Chaos, nämlich mit Struktur, Stabilität und Effizienz. Also Ordnung. Womit wir uns ganz allmählich der Frage annähern: Welche grundlegenden Prozessprinzipien wird eine erfolgreiche Krankenhausführung in der neuen Welt verfolgen.

Mehr Informationen 📖 Buch: Die zweite Revolution in der Krankenhausführung – Jörg Gottschalk 🎙️ Podcast: Krankenhausführung neu denken 📅 Lean Hospital Kongress 2026 23.–24. September 2026, Mannheim

Krankenhausführung neu denken richtet sich an Führungskräfte, Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte sowie alle Menschen, die Krankenhäuser nicht nur verwalten, sondern nachhaltig verbessern wollen. Im Mittelpunkt stehen Prozesse, Führung, Lean Hospital, Organisationsentwicklung und die Frage, wie aus Chaos Struktur, Stabilität und Effizienz entstehen können.

Transkript anzeigen

00:00:16: Herzlich willkommen zur dritten Episode von Krankenhausführung Neut Denken.

00:00:21: Mein Name ist Jörg Gottschalk und ich freue mich heute mit Ihnen über Verschwendung zu sprechen!

00:00:28: Sie ist vermutlich die unbekannteste, dafür aber größte Berufsgruppe in einem Krankenhaus.

00:00:38: Stellen sie sich vor es ist Samstagmorgen.

00:00:40: Sie wollen endlich ihren Lohnsteuer-Jahresausgleich erledigen den sie schon so lange vor sich hergeschoben haben.

00:00:47: Das Steuerprogramm ist installiert, die Belege liegen bereit.

00:00:51: Der Kaffee steht auf dem Tisch und in zwei Stunden könnten sie fertig sein.

00:00:55: Doch dann fehlt gleich zu Beginn eine Antwerkerrechnung.

00:01:00: Sie suchen erst im Arbeitszimmer, im E-Mailpostfach, in der Küchenschublade und schließlich auch noch ein Keller Und kaum zurück am Platz klingelt das Telefon.

00:01:10: Nach dem Gespräch müssen Sie erstmal überlegen wo sie eigentlich stehen geblieben sind.

00:01:16: Wenig später fehlt auch noch eine Bescheinigung der Krankenkasse.

00:01:20: Beim Ausdrucken streikt der Drucker, weil die Patronen leer sind.

00:01:24: Nachschub leider Fehlerzeige.

00:01:27: Dann meldet sich der Hund, der Postbote klingelt Eine wichtige E-Mail lenkt sie ab.

00:01:33: Endlich am späten Nachmittag acht Stunden nach dem Start Drücken Sie genervt auf Senden.

00:01:40: dann ist es endlich geschafft!

00:01:43: Sie waren dann acht Stunden beschäftigt Doch die eigentliche Wertschöpfung, das Sortieren und Eingeben der Daten hat nur etwa zwei Stunden gedauert.

00:01:55: Sechs Stunden sind für Warten-, Suchen-, Unterbrechungen- und des beseitigen vermeidbarer Probleme draufgegangen.

00:02:03: Sie haben also zwei Stunden die Steuererklärung gestellt und sechs Stunden gegen ihr eigenes Chaos angekämpft.

00:02:10: Und genau darin liegt der Unterschied.

00:02:13: Wertschöhpfung ist alles was direkt zum gewünschten Ergebnis beiträgt.

00:02:19: Verschwendung ist dagegen alles, was zusätzlich anfällt ohne einen unmittelbaren direkten Nutzen zu stiften.

00:02:31: Wenn wir schon in privaten drei Viertel unserer Zeit verschwenden können wie sieht es dann erst in einer komplexen Organisation mit Tausenden Mitarbeitenden aus die rund um die Uhr arbeiten?

00:02:44: Ein alltägliches Beispiel aus dem Krankenhaus!

00:02:47: Ein Apparatur nutzt die Zeit zwischen zwei Eingriffen, um einen neu aufgenommenen Patienten auf der Station zu bewutern.

00:02:55: Fünf Minuten Weg zur Station, fünf Minuten Gespräch mit den Patienten, fünf Stunden Rückweg, fünf minuten für Umkleiden und Desinfektion.

00:03:05: Aus zwanzigminuten Arbeitszeit entstehen also lediglich fünf Minuten unmittelbarer Nutzen für den Patienten.

00:03:14: Fünfzehn Minuten gingen allein für Wege und Vorbereitung drauf.

00:03:19: Nicht weil die Tätigkeit an sich sinnlos wäre, sondern weil die Organisation sie so aufwendig macht.

00:03:27: Wäre der Operateur unterwegs vielleicht noch aufgehalten worden hätte sich das gesamte nachfolgende OP-Programm verzögert.

00:03:37: Deshalb sollten wir dringend unseren Fokus verschieben.

00:03:41: Es geht nämlich nicht darum wie viel gearbeitet wird sondern wie wirksam diese Arbeit ist und zwar bezogen auf das eigentliche Ziel, nämlich die Behandlung von Patientinnen und Patienten.

00:03:59: Wertschöpfend ist was direkt und für Patienten sichtbar der Versorgung beziehungsweise behandelt dient Diagnostik, Operationen Medikation Therapie oder auch Gespräche mit Patienten.

00:04:13: Wenn Mitarbeiter aber laufen suchen warten doppelt dokumentieren oder irgendwie ständig gestört werden, ist das beispielsweise verschwenden.

00:04:22: Täglich gehen mindestens dreißig Prozent der Arbeitszeit in unsere Krankenhäusern durch solche potentiell vermeidbare Verschwendung verloren.

00:04:31: Fragen Sie Mitarbeiter?

00:04:33: Schätzen manche sogar deutlich mehr!

00:04:36: Aber ob es nun dreißzig-, vierzig- oder fünfzig Prozent sind, ist im Grunde zweitrangig?

00:04:42: Entscheidend ist die Absurdität.

00:04:45: Ein erheblicher Teil der Arbeitszeit kommt niemals beim Patienten an, während gleichzeitig überall der Ruf nach mehr Personal eklickt.

00:04:57: Viele denken nun bei Verschwendung vor allem an lange Wege, hohen Dokumentations- oder allgemeinem Bürokratieaufwand oder an langsame Hart und Software – das ist eine Form von statischer Verschwindung.

00:05:12: sobald wir sie also die Ursachen beseitigt haben sparen wir diese Zeit ein und zwar in mehr Farbe weisen.

00:05:21: Die eigentliche Katastrophe ist jedoch die dynamische Verschwendung, also wenn eine kleine Störung eine ganze Kette weiterer Probleme auslöst.

00:05:33: Ich nenne sie dann auch liebevoll die.

00:05:35: sowas kommt von sowas-Verschwendungen.

00:05:38: ein kleines Beispiel auf einer Station fehlt in der Frühschicht ein Medikament.

00:05:44: das passiert fast überall täglich.

00:05:48: dann wird gesucht, nachgefragt, rumtelefoniert.

00:05:52: Dadurch werden überall Menschen unterbrochen also gestört und weil man nicht einen Patienten für den OP vorbereiten und auch noch gleichzeitig Medikamente suchen kann verzögert sich dann vielleicht der azienten Transport in den OP.

00:06:06: danach verzögern sich die Operation und folglich auch die nächste.

00:06:13: solche Kettenreaktionen bereiten sich jeden Tag hundertfach aus und erzeugen das bekannte Systemchaos.

00:06:21: Wenn jede Tätigkeit zur Irgendwannentätigkeit wird, führt das unweigerlich zu extremen Mehraufwand und letztlich so überbelastet.

00:06:31: Ganz einfach deshalb weil organisatorisch im Prozess einfach nichts mehr zusammenpasst.

00:06:38: oder schauen wir uns ein anderes Beispiel an dass in die Kategorie Dynamisch fällt Eine fähige Kraft auf einer Durchschnittstation läuft pro Dienst etwa sieben Kilometer.

00:06:50: Nach oben ist dem kaum eine Grenze gesetzt.

00:06:53: Sieben Kilometern entsprechen rund zwei von acht Arbeitsstunden, also das hört sich dramatischer an, fünfundzwanzig Prozent.

00:07:01: Diese Wege entstehen nicht direkt durch die Pflege vom Patienten,

00:07:06: d.h.,

00:07:07: die Patienten sind nicht die direkten Auslöser sondern durch das Reagieren auf und Auffangen von organisatorischen Störungen bzw.

00:07:17: Probleme.

00:07:19: Während alle Informationen, Medikamente und Materialien am richtigen Ort verfügbar und würde die Pflegenden nicht ständig gestört, fiede der Großteil dieser Laufleistung schlichtweg weg!

00:07:35: Bislang haben wir im Übrigen nur über die Patienten nahen Berufsgruppen gesprochen – also Ärztinnen, Ärzte, Therapeute, Pflegende und viele andere Denn diese Berufsgruppen haben überhaupt nur die Chance, direkt Wertschöpfung zu arbeiten weil sie am Patienten arbeiten.

00:07:54: Die Definition sagt ja es muss für den Patienten direkt sichtbar sein.

00:07:59: Wie aber steht das nun um Führung Verwaltung Einkaufflugistik oder IT?

00:08:08: Nach der reinen bewusst sehr engen Definition erzeugen diese Bereiche keinen unmittelbaren, sichtbaren Nutzen an Patienten.

00:08:19: Sie sind aber natürlich unverzichtbare Dienstleister und Unterstützer der wertschöpfenden Prozesse.

00:08:26: Dennoch gilt ökonomisch das Geld wird primär durch die direkte Behandlung verdient also durch wertschöffende Tätigkeiten.

00:08:36: mit jeder zusätzlichen Stelle aufeinander dieser Wertschöpfungszone finden wir Ressourcen an anderen Stellen.

00:08:45: Das sollten wir uns bei Kapazitätsfragen in jedem Fall vor Augen halten.

00:08:51: Ich werde auch sicherlich in einer weiteren Episode noch über das Thema Management und viele andere Themen sprechen!

00:09:02: Ich hoffe, dass deutlich wird.

00:09:04: wenn die über Personalmangel- und Arbeitsverdichtung klagen – auch zu Recht – sprechen wir in Wahrheit überwiegend über Verschwendungszeit.

00:09:14: also nicht weil die Mitarbeitenden ineffizient sind sondern weil die Organisation permanent Störungen, Diskontinuität und sonstige Probleme erzeugt.

00:09:24: Und Mitarbeiter dann mehr damit beschäftigt sind irgendwie in dieser völlig dysfunktionalen Organisation zu irgendeinem guten Ergebnis zu kommen anstatt ihre Patienten zu betreuen.

00:09:37: Deswegen lautet der entscheidende Gedanke nicht mehr Personal beseitigt über Lastung sondern weniger Verschwendungs- schaft Zeit für Patienten.

00:09:47: Darin liegt ein feiner, aber ich finde sehr grundlegender Unterschied.

00:09:53: Mitarbeiter haben im Grunde nicht zu wenig Zeit – sie müssen sich aber schlicht so viel Arbeit machen die rein aus dem organisatorischen Chaos entsteht.

00:10:05: Mir ist in den letzten Jahren immer wieder sehr deutlich geworden solange wir Verschwendung als normale Arbeit akzeptieren und das tun wir!

00:10:16: werden Krankenhäuser immer zu wenig Personalzeit und Geld haben.

00:10:21: Wer Personalmangel bekämpfen will, ohne Verschwendung zu eliminieren versucht im Grunde nur ein Fass zu füllen in dessen Boden ein hiesengroßes Loch klafft.

00:10:31: Verschwendung zu bekämpfen bedeutet stattdessen das Chaos zu beseitigen.

00:10:37: Anstatt dass Chaos etwas besser zu beherrschen – und was machen wir heute?

00:10:41: Müssen wir es Schritt für Schritt beseitihen!

00:10:45: Und mit sich dann natürlich der Kreis zur vorangegangenen Episode schließt.

00:10:50: Wir wollen durchgehend strukturierte, stabile und effiziente Abläufe schaffen – denn nur so entsteht die Zeit, die wir heute so verzweifelt suchen!

00:11:02: In diesem Sinne vielen Dank fürs Zuhören und Mitdenken.

00:11:06: Bleiben Sie weiterhin neugierig.

00:11:08: Ihr Jörg Gottschalk.

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